Was haben Sascha Lobo, Olaf Scholz und ein Barcamp gemeinsam?


Es hat Spass gemacht, das diesjährige Silpion Sommerfest. Organisiert von Silpion und der Softwareallianz Hamburg hat es sich mit seinen rund 3000 Gästen eine Institution der Hamburger IT-Branche entwickelt. Es gab eine Reihe von Highlights. Da wären zu nennen: die kurzweilig, mahnende Keynote von Sascha Lobo, das Solutionscamp und das Grußwort zur Gründerwerft unseres Oberbürgermeisters Olaf Scholz. Womit sich die eingangs gestellte Frage auch schon fast beantwortet hat. Mehr dazu im Erfahrungsbericht von Alexander Schilling

Hamburger Inkubator „Gründerwerft“ geht an den Start

Mit dem Sommerfest eröffnete die Hamburger Gründerwerft. Die Gründerwerft ist eine Initiative der Softwareallianz Hamburg (SAH) die Unternehmensgründungen in Hamburg fördern möchte, indem Sie Gründern am Brandshofer Deich Knowhow, Räume und Begleitung anbietet. Das Besondere: Gründer bekommen für den Fall des Scheiterns eine Festanstellungs-Garantie. (siehe Video)

In  seinem Grußwort würdigte Olaf Scholz die Bedeutung der Initiative im Hamburg „Eastend“ als Antwort auf das Risko des Scheiterns, das viele oftmals davon abhält ihre Ideen auszuprobieren und unterstrich die Eignung des Standorts Hamburg, das Sitz großer Plattformen wie Google, Facebook, Twitter und XING ist.

 

Code kills – zur Keynote von Sascha Lobo

Es war das erste Mal, dass ich Sascha Lobo live gesehen habe. Sein Vortrag zum Thema „Überwachung“ hatte meine Interesse geweckt und so war seine Rede neben dem Barcamp mit ein Grund, zum Sommerfest zu gehen.

Im Vortrag widmete sich Lobo zunächst ausgiebig der Kriegsgeschichte und erklärte die Entstehung, Bedeutung und des Datensammelns. Ging es in der Vergangenheit darum, basierend auf bekannten Daten, Verhaltensweisen von Dingen (z.B. Flugbahn einer Flugkörpers) verauszuberechnen, um ihn treffen zu können. So geht es in der selben Logik heute darum, Daten über Menschen auszuspähen (z.B. Surfverhalten im Internet, Anrufe mit bestimmten Personen, Aufenthalt in einem bestimmten Viertel, einkauf bestimmer Waren) um des (Kauf)Verhalten eines Menschen besser voraussehen zu können und ihn somit besser (mit der entsprechenden Werbung) zu treffen. Siehe auch S.P.O.N. – Die Mensch-Maschine: Werbung als Überwachungsdisziplin.

Anhand aktueller Beispiele, belegte er allerdings, dass heutige Technologien zur Auswertung von Big Data  Algorithmen nicht nur nutzen – Stichwort „Patterns of Life Analysis“ – um Werbung besser zu platzieren, sondern beispielsweise in Amsterdam Verbrechen zu verhinden, bevor sie geschehen oder eben zur Steuerung von Kampfdrohnen. Miniority Report lässt Grüßen.

Da wir durch unsere Deutschen Geschichte bereits erfahren mussten, was geschehen kann, wenn viele als Zahnrad im Getriebe „einfach nur ihren Job machen“, richtete Lobo einen dringenden ethischen Apell an die anwesenden Softwareentwickler, als diejenigen, die als kleine Elite überhaupt in der Lage sind, die o.g. Entwicklung einzuschätzen, die sie als Programmierer mitgestalten und – steuern.

Ganz nebenbei kündigte er an, dass er in Hamburg mit einem Startup aktiv werde und zwar im Rahmen der Gründerwerft.

 

Solutionscamp und Barcamp

Als Moderator war für mich selbstverständlich auch das Setting der Veranstaltung interessant. So boten parallel das Solutionscamp, eine Strategy Lounge und ein Barcamp die Möglichkeit zu Austausch und Networking.

Auf dem Solutionscamp wurden 51 Sessions und Workshops mit gesetzten Themen mit IT-Schwerpunkt gehalten.

Das Barcamp dagegen hatte eine offene Agenda und bot die Möglichkeit, spontan eine Session zu einem Thema einzuberufen, wodurch weitere 13 Beiträge entstanden.

Die Strategy Lounge bot Raum, um konkrete Geschäftsstrategien zu besprechen.

Abgerundet wurde der Abend durch das Silpion Sommerfest mit Djs und Livemusik.

 

Abgesehen vom fachlichen

Das Solutionscamp, auf dem gefühlt die komplette hamburger IT-Szene anwesend war, empfand ich als gelungene Veranstaltung. Denn trotz der 3000 Gäste hatte die Atmosphäre etwas hanseatisch Gelassenenes, Familiäres und Verbindendes. So war es kein Problem, trotz des Gewusels, Zeit für Gespräche mit anderen Gästen zu finden, sich mal einen TESLA von innen anzuschauen oder mal ein paar Worte mit Sascha Lobo oder dem Veranstalter Patrik Postel zu wechseln.

Ich freue mich jedenfalls schon aufs nächste Fest 😉