Akquise im Barcamp-Style

Es hört sich verwegen an und doch könnte es funktionieren: Akquise im Barcamp-Style. Oder: Wie wir mithilfe von Open Space lernen, neue Kunden zu gewinnen. Der Online-Journalist Jan-Kristian Jessen hat agenturintern zwei kleine barcamps zum Thema Akquise umgesetzt. Das hatte so seine Tücken. Anfangs. Wie das Ganze dann doch zum Erfolg führte, beschreibt er in seinem Bericht.

Akquise? Klingt nach Anbiedern und Abtelefonieren. Und darauf hat keiner Lust. Auch wir nicht. Wir, das sind fünf ehemalige Kommilitonen, die zusammen Online-Journalismus studiert und während des Studiums die Agentur quäntchen + glück gegründet haben. Zunächst parallel zum Studium, seit einem Jahr ohne doppelten Boden.

Unsere Mission: Unternehmen für die Online-Kommunikation fit machen. Bei uns gehört „lebenslangen Lernens“ zum Tagesgeschäft: Das liegt zum einen daran, dass wir (noch) keine alten Hasen sind und zum anderen, dass sich das Social Web – unsere Arbeitswelt – rasant schnell verändert. An jedem Tag warten neue Herausforderungen, kein Auftrag verläuft wie der andere, Schema F kennen wir nicht.

Trotz all des Lernens – wir wissen jetzt wie wir studentische Aushilfen bei der Bundesknappschaft anmelden und geben unsere Umsatzsteuervoranmeldung immer rechtzeitig ab! – blieb doch eines regelmäßig auf der Strecke: die Akquise.

Die meisten unserer Kunden kommen durch Empfehlungen zu uns, manche haben wir auf Veranstaltungen wie Twittwochs oder Barcamps kennengelernt. Besprechungen zum Thema Akquise haben wir häufig vor uns hergeschoben und wenn wir uns aufgerafft haben, waren sie selten ergiebig. Ausreden gab es ausreichend.

Ist das ‘ne Idee oder kann das weg?

Vergangenes Jahr im Herbst ist uns klar geworden, dass wir etwas ändern müssen. Inspiriert vom Barcamp RheinMain haben wir uns einen Tag freigehalten, um ein internes Barcamp zum Thema Akquise zu veranstalten. Zwei Wochen davor haben wir Ideen gesammelt, wie wir Kunden akquirieren könnten. Diese wurden von uns fünf Gründern je nach Interesse vorbereitet. Ideen für die sich niemand begeistern konnte, haben wir nicht weiter verfolgt.

Meeting nach dem Barcamp-Prinzip

Der Tag selbst wurde letztlich doch nur ein halber, weil Kundenprojekte drängten. Jeder von uns hat – in guter, alter Barcamp-Manier – zunächst seine von ihm vorbereitete Session vorgestellt. Anschließend konnten alle Teammitglieder auswählen, an welcher Session sie teilhaben wollen. Für die Sessions standen zwei Räume mit je sechs Slots à 30 Minuten zur Verfügung. Insgesamt gab es also zwölf Sessions. Und die Sessions waren ergiebig: Wir haben tatsächlich zwölf Ansätze für die Akquise entwickelt. Ansätze, ohne Anbiedern und Abtelefonieren.

Grandios. Zwöf Ideen zum Reichwerden haben wir gedacht und sind zurück an unsere Schreibtische gekehrt. Eine Woche verging. Zwei Wochen vergingen. Ein viertel Jahr verging. Und es passierte: nichts. Warum? Wir hatten nicht bedacht, dass wir den Ansätzen, die aus unserem Barcamp entstanden sind, ein paar Plätzchen im Kalender reservieren müssen. So waren sie zwar da, schlummerten aber weiter in Dropbox-Ordnern vor sich hin. Schließlich kam der Frühling und mit dem Frühling unser zweites Akquise-Barcamp.

Neue Regel: Wer alle Aufgaben erledigt, bekommt mehr Urlaub

Bei unserem zweiten Akquise-Barcamp haben wir am Ende des (wieder mal halben) Tages eine Tu-Es-Liste aufgestellt und die Aufgaben mit Abgabeterminen in zwei und vier Wochen versehen. Wer eine Idee präsentierte, sollte sie später nicht unbedingt umsetzen, aber planerische Verantwortung für das Projekt übernehmen. Nächste Schritte, Deadlines und beteiligte Personen werden von dieser Person koordiniert. Und wir haben noch eine neue Regel eingeführt: Wer alle seine Akquise-Aufgaben schafft, bekommt einen halben Tag Urlaub geschenkt. Ob die Aufgaben alle erledigt sind, beurteilt jeder für sich selbst.

Anbiedern ist nicht und muss auch nicht sein

Nun ist es Sommer. Bald findet unser drittes Akquise-Barcamp statt. Die zwölf Ideen unseres ersten Akquise-Barcamps vor einem halben Jahr sind inzwischen gereift und viele stehen kurz vor der Umsetzung. Ob wir an dem Punkt nicht auch mit herkömmlichen Besprechungen stehen würden? Möglich, ja. Aber! Wir sind durch das Akquise-Barcamp nicht nur inhaltlich weiter gekommen, sondern haben auch gelernt, uns für neue Methoden zu öffnen. Und: Durch die neue Herangehensweise nehmen wir das Thema Akquise viel positiver wahr. Wir haben Wege gefunden, bei denen wir uns selbst treu bleiben und nirgendwo anbiedern müssen.